Tagesordnungspunkt

TOP Ö 3: Bebauungsplan Nr. 61 W "Vogelsang": Erstellung eines Quartierskonzeptes

BezeichnungInhalt
Sitzung:28.05.2019   BAUMA/003/2019 
Beschluss:einstimmig beschlossen
Abstimmung: Ja: 8, Nein: 0, Enthaltungen: 0
Vorlage:  BV/2019/2590 
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Wie Dipl-Ing. Herbert Weydringer vom Planungsbüro HW-Plan aus Bockhorn ausführt, haben sich die städtebaulichen Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten verändert, in dem die Orte autogerecht umgestaltet wurden und Einzelhandelsstandorte auf der grünen Wiese entstanden. In Weener gibt es die für ein Grundzentrum typischen Supermärkte und Discounter. Die notwendige Grund- und Nahversorgung der Bevölkerung ist auf Dauer gesichert durch den zentralen Versorgungsbereich (COMBI-Markt mit angegliederten Gewerbebetrieben) und dem  Ergänzungsstandort (EDEKA / ALDI mit angegliederten Gewerbebetrieben). Der kleinteilige Handel im Gebiet des Bebauungsplanes Nr. 61 W „Vogelsang“ in der unmittelbaren Nähe dieser Einzelhandelsstandorte wurde durch das heutige Einkaufsverhalten mehr und mehr zurückgedrängt. Der Bereich zwischen der Neuen Straße, Risiusstraße, Westerstraße und Marktstraße ist Teil des zentralen Versorgungsbereiches. Der Zeitgeist der 1980-er Jahre lässt sich an den Festsetzungen des Bebauungsplanes ablesen und muss aus Sicht der heutigen Lebenssituation und dem veränderten Einkaufsverhalten überprüft werden. Die inhabergeführten Geschäfte können sich noch halten. Für Vermieter von Ladenlokalen ist es jedoch schwierig, Mieter zu finden. Mehrfach wurde bereits der Wunsch an die Stadt herangetragen, Wohnen im Erdgeschoss in den Kerngebieten zuzulassen. Die Lage und der Zustand der leerstehenden Immobilien lässt jedoch befürchten, dass eine Vermietung von Wohnungen als Arbeitnehmerunterkünfte die Folge sein wird. Herr Weydringer empfiehlt aus städtebaulicher Sicht, die Kerngebietsfestsetzung im Bebauungsplan Nr. 61 W „Vogelsang“ nicht aufzuheben.


Das Quartierskonzept soll den Erhalt des urbanen Bereiches in der Innenstadt stärken. Damit dies gelingen kann, müssen für die Eigentümer Anreize geschaffen werden, in Gebäude und Grundstücke zu investieren. Das Quartier ist durch die mittig gelegenen Parkmöglichkeiten auf dem Vogelsangparkplatz und die Fuß- und Radwegverbindungen von allen vier Seiten für sämtliche Verkehrsteilnehmer günstig angelegt. Die baulichen Voraussetzungen für eine Belebung der Innenstadt sind somit erfüllt, es fehlt jedoch an Attraktivität und Aufenthaltsqualität.


Die Stadt strebt den Erwerb einer leerstehenden Immobilie an der Westerstraße an, um hier die Stadtbücherei und andere öffentliche Nutzungen unterzubringen. Dies ergänzt die weiteren öffentlichen Einrichtungen im Quartier und trägt mit der entsprechenden Kundenfrequenz zur gewünschten Belebung der Innenstadt bei.


Herr Weydringer schlägt vor, eine zusätzliche Nachverdichtungsmöglichkeit auf den nördlichen Grundstücksbereichen der Westerstraße entlang des Klingereipads zu schaffen. Dies bedeutet für die Grundstückseigentümer der betroffenen Grundstücke eine wesentliche Wertsteigerung ihrer Grundstücke und gibt Anlass, in Gebäude und Grundstücke zu investieren. Die Bebauung mit beispielsweise Doppelhäusern (evtl. seniorengerecht) bietet attraktiv gelegenen Wohnraum in der Innenstadt und führt zur Belebung des Quartiers. Hier muss das Gespräch mit den Eigentümern geführt werden.


Herr Weydringer regt an, den Wochenmarkt auf den Vogelsangplatz zurückzuholen. Eine optische Aufwertung des Marktplatzes entsprechend dem neuen Parkplatz hinter der katholischen Kirche mit Schaffung von Verweilmöglichkeiten führt zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität. Dabei ist zu bedenken, dass beim 2 x jährlich stattfindenden Jahrmarkt auch Karussels und Autoscooter aufgebaut werden, die entsprechend Platz brauchen. Herr Weydringer schlägt vor, den Sparkassen-Parkplatz in die Planung mit einzubeziehen. Die störenden Mauern sollten abgebaut werden und die Gestaltung an den Vogelsangplatz angeglichen werden, so dass eine Einheit entsteht.

 


Ratsmitglied Holtkamp stimmt den Ausführungen von Herrn Weydringer zur Kerngebietsfestsetzung zu, da auch er bei einer Umwandlung in ein Mischgebiet die Umnutzung von Geschäftsräumen in Monteurwohnungen befürchtet, was sich negativ auf die Gesamtstruktur auswirken würde. Die Neubelegung von Geschäftsräumen ist aus seiner Sicht positiv zu bewerten, sofern es sich nicht um weitere Imbissbetriebe im „Dönerquartier“ handelt. Er befürwortet die Errichtung von attraktiven, hochwertigen Wohnhäusern im Quartier und unterstützt die Vorschläge zur Umgestaltung des Vogelsangparkplatzes.


Ratsmitglied Hinderks wünscht sich die Ansiedlung von hochwertigen Betrieben: es fehlt an Restaurants mit gutbürgerlichem Essen, Cafés, Ärzten und einem Hotel. Die Errichtung neuer Altenwohnungen ist ihrer Auffassung nach zwar in Ordnung, darüber hinaus ist jedoch auch bezahlbarer Wohnraum für Familien nötig. Die heute gehörten Vorschläge müsste man „erst mal sacken lassen“ und überdenken.


Ratsmitglied Drewniok nennt den ehemaligen türkischen Laden in der Westerstraße als Beispiel, dass in Weener eine Existenzgründung schwierig ist. Grund dafür kann nach seiner Meinung auch eine zu kleine Fläche der Läden sein. Zu diesem Einwand schlägt Herr Weydringer vor, die Zusammenlegung mehrerer Erdgeschossflächen zu einer größeren Verkaufsfläche zu gestatten, so dass eine breitere Produktpalette angeboten werden kann und dadurch eine Zunahme der Attraktivität erreicht wird.


Ratsmitglied Hinderks bemerkt, dass über die Köpfe der Privateigentümer hinweg keine Entscheidungen getroffen werden dürfen. Dieser Auffassung stimmt der  Bürgermeister zu und ergänzt, dass mit den betroffenen Grundstückseigentümern in Kürze der Kontakt aufgenommen werden soll.


Zusammenfassend erklärt die Verwaltung, der heutige Vortrag diene als Diskussionsgrundlage, die in den Fraktionen fortgesetzt werden sollte. Das Konzept soll der Öffentlichkeit in einer Bürgerversammlung am 09.07.2019 um 18.00 Uhr vorgestellt werden. Dabei soll auch auf die Möglichkeiten der Städtebauförderung hingewiesen werden.


Die Präsentation ist dem Protokoll als Anlage beigefügt.


 

Die Ausführungen zur Erstellung eines Quartierskonzeptes für das Bebauungsplangebiet Nr. 61 W „Vogelsang“ werden zur Kenntnis genommen.

 

Es wird beschlossen, die Ergebnisse im Rahmen einer Bürgerbeteiligung der Öffentlichkeit vorzustellen.