Tagesordnungspunkt

TOP Ö 6: Erstellung eines Rahmenkonzeptes für den Hafen

BezeichnungInhalt
Sitzung:28.05.2019   BAUMA/003/2019 
Beschluss:einstimmig beschlossen
Abstimmung: Ja: 8, Nein: 0, Enthaltungen: 0
Vorlage:  BV/2019/2591 

 

Anhand einer Präsentation verdeutlicht Dipl-Ing. Johann Boner vom Planungsbüro Boner + Partner die Eindrücke, die der Hafen land- und wasserseitig hinterlässt. Er geht dabei auch auf die geschichtliche Entwicklung vom früheren Handelshafen zum heutigen Anziehungspunkt für Touristen ein. Ziel soll sein, den Hafen mit seiner historischen und gegenwärtigen Bedeutung für die Stadt zu würdigen. Der Hafen hat zwar in seiner Gesamtheit eine Denkmaleigenschaft, soll aber kein Museum sondern ein „lebendiges Denkmal“ sein, in dem sich Menschen gerne aufhalten.

 

Dipl.-Ing. Christiane Salomon erläutert den ausgearbeiteten Entwurf zur Hafenumgestaltung:

  • Ein Blickfang auf einer Verkehrsinsel im Einmündungsbereich von der Norderstraße soll auf den Hafen aufmerksam machen. Die Insel kann mit einer Fahne o. ä. bestückt werden.
  • Am Hafenkopf sollte die ursprüngliche Platzsituation durch den Abbau der Mauern wieder hergestellt werden, um den freien Blick auf den Hafen von der Norderstraße aus zu ermöglichen.
  • Die Wegnahme des Hafengeländers bewirkt eine optisch völlig andere Wirkung. Der historische Zustand war eine Ebene von den Hauswänden bis zum Wasser (Arbeitsbereich vom Haus bis ans Boot). Sinn ist die komplette Nutzung der Hafenfläche an Land und auf dem Wasser. Fließende Übergänge könnten durch Pontons geschaffen werden, die mit Tischen und Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen oder gastronomisch genutzt werden.
  • Der reizvolle Platz an der Waage / Speichergebäude wird zurzeit von einer Gastronomie und im Rahmen von Veranstaltungen bereits sinnvoll genutzt. Die Platzsituation könnte durch bauliche Veränderungen wie z. B. eine an den Hafen angepasste Pflasterung, Bepflanzung und Spielgeräte für Kinder aufgewertet werden.
  • Poller zum Festmachen der Boote können auch Gestaltungselemente sein, ebenso wie Bänke und Bepflanzungen an geeigneter Stelle an der Hafenkante. Durch Verweilmöglichkeiten soll die Aufenthaltsqualität verbessert werden.

 

Zur Optimierung der Verkehrssituationen sollen folgende Maßnahmen beitragen:

  • Im Einmündungsbereich führt die Verkehrsinsel zu einer Verringerung der Geschwindigkeit.
  • Die Herstellung der ursprünglichen Platzsituation am Hafenkopf durch den Abbau der Mauern erleichtert die Zufahrt zu den dort vorhandenen Parkflächen.
  • An der Nordseite des Hafens wird durch die Ausweisung einer Einbahnstraße die Wendesituation an der Boje vermieden. Die Fahrbahn kann schmaler werden zum Vorteil von Fußgängern und Radfahrern.
  • Soll alternativ die jetzige zweispurige Nutzung an der Hafennordseite beibehalten werden, sollte diese nur für die Anlieger zugänglich sein.
  • An der Südseite des Hafens muss die zweispurige Verkehrsführung bleiben, da die anliegenden Wohnbereiche und der Sportboothafen von hier angefahren werden.
  • Vorteilhaft wäre eine Pflasterung auf gleicher Ebene ohne störende Absätze / Bordsteine, sodass die Stolpergefahr für Fußgänger verringert wird und Hindernisse für Radfahrer und Pkws abgebaut werden und die Barrierefreiheit erreicht wird. Die einzelnen Fahrspuren sollten stattdessen durch unterschiedliche Pflastermaterialien gekennzeichnet werden.
  • Der Bereich an der Hafenkante muss den Fußgängern vorbehalten bleiben. Sitzbänke oder „Baumstämme“ laden dazu ein, sich am Wasser niederzulassen. Diese „Hindernisse“ verdrängen die Fahrradfahrer aus diesem Bereich.
  • Im Zuge der Pflasterarbeiten sollten die Spundwandabdeckungen erneuert werden.

 

Für Ortsunkundige ist nicht sofort erkennbar, dass der Hafen noch mehr zu bieten hat. Ein etwa 3 km langer Rundgang führt vom Alten Hafen über die Schleuse und um den Sportboothafen zurück zum Alten Hafen. Ein Pendelverkehr in Höhe der Waage und des Sieltiefs ermöglicht eine Verkürzung des Rundganges. Durch eine ansprechende Beschilderung bzw. Infotafeln ist hinzuweisen auf die touristischen und gastronomischen Angebote usw.

 

Für die Eigentümer der Grundstücke am Hafen ist der Besitz eines denkmalgeschützten Gebäudes nicht nur Glück, sondern auch Belastung. Die rückwärtigen Grundstücksbereiche sind teilweise ungepflegt. Die Einräumung eines zusätzlichen Baurechtes für die langgezogenen Grundstücke an der Nordseite und ggf. auch an der Südseite des Hafens bietet durch die Möglichkeit der Vermietung z. B. an Feriengäste zusätzliche Einnahmemöglichkeiten für die Eigentümer. Die Nachverdichtung führt zu einer Aufwertung der Grundstücke und erleichtert den Eigentümern die Finanzierbarkeit der Restaurierung des Denkmals.

 

In die langfristigen Planungen sollte der gesamte Bereich südlich der Pannenborgstraße einbezogen werden:

  • Die Herstellung zusätzlicher Parkplätze bietet sich auf dem ehemaligen Tankstellengelände (Ecke Norderstraße / Pannenborgstraße) und an der Pannenborgstraße hinter dem Siloturm an.
  • Südlich der Pannenborgstraße befinden sich ein ehemaliges Tankstellengebäude und eine Werkstatt (früher Spedition). In dieser attraktiven Wohnlage sollte die Errichtung von Mehrfamilienhäusern / Ferienwohnungen ermöglicht werden.
  • Der Ausbau der rückwärtigen Erschließungsstraße muss im Zuge der Bebauung an der Pannenborgstraße erreicht werden.

 

 

Ratsmitglied Holtkamp weist darauf hin, dass die vorhandene Gastronomie nicht wirtschaftlich arbeiten kann, Fahrradfahrer nicht gebremst werden wollen, die Pflasterung schon einmal getauscht werden musste aufgrund der Geräuschbelastung, die Verkehrsinsel für den Busverkehr problematisch ist, der Parkraum nicht eingeschränkt werden sollte, die Bebauung einer Fläche mit Ferienwohnungen (Feenders-Gelände) schon einmal gescheitert ist und Wohnmobilisten oder Bootfahrer in Weener kein Geld ausgeben, da sie Selbstversorger sind.

Bauamtsleiter Sinningen entgegnet, dass man bei so einer Liste von Bedenken „das Buch auch gleich wieder zuklappen kann“. Er möchte jedoch das Gegenteil erreichen: eine Attraktivitätssteigerung des Hafens, eine Aufwertung der touristischen und gastronomischen Angebote, eine Verbesserung der verkehrlichen Situation verbunden mit der Herstellung der Barrierefreiheit, eine neue Beschilderung und ein Wegeleitsystem. Die Chance, eine Umgestaltung des Hafens mit Unterstützung der Städtebauförderung zu erreichen, sollte auf jeden Fall genutzt werden. An der Substanz muss aus seiner Sicht definitiv etwas passieren, dies betrifft nicht nur die notwendige Erneuerung der Spundwandabdeckungen, die ursprünglich Anlass für die Thematisierung der Hafensituation war. Er erklärt, dass Fördermittel nur akquiriert werden können, wenn ein ausgearbeitetes Rahmenkonzept vorgelegt werden kann. .

 

Zu den Vorschlägen bezüglich der Verkehrssituation äußert sich das Ratsmitglied Drewniok: Aus seiner Sicht ist es attraktiver, wenn sich Fußgänger und Radfahrer gern am Hafen aufhalten und die Autos zurückgedrängt werden. Er bittet zu prüfen, ob die Herstellung von Parkflächen an der rückwärtigen Hafenseite umgesetzt werden kann. Die Verkehrssituation soll sich auch positiv auf die Gastronomie auswirken.

Bauamtsleiter Sinningen stimmt dieser Auffassung zu und ergänzt, dass sich nicht alle Vorschläge zeitnah umsetzen lassen. Er spricht sich dafür aus, den motorisierten Verkehr langfristig möglichst ganz an der Nordseite wegzunehmen. Dies ist jedoch erst möglich, wenn Parkmöglichkeiten nördlich des Hafens geschaffen wurden.

 

Die vorgetragenen Entwürfe werden von Ratsmitglied Hinderks insgesamt positiv bewertet. Sie ist jedoch der Auffassung, dass die Mauern bei den Törfwiefkes als Abgrenzung des Hafenvorplatzes vom Parkplatz erhalten bleiben sollten. Sie erwähnt weiter, dass Herrn Bockhacker die Gelegenheit gegeben werden muss, sein Angebot auszubauen.

 

Bürgermeister Sonnenberg erklärt, dass es vorgesehen ist, sämtliche Hafenanlieger in die Thematik mit einzubeziehen.

 

Herr Greiner von der BauBeCon Stadtsanierung meldet sich zu Wort: Für ihn ist die Mobilisierung der Hafenanlieger Voraussetzung dafür, dass eine Akzeptanz der Hafenumgestaltung gelingen kann. Er möchte an der Bürgerversammlung gerne teilnehmen und die Gelegenheit nutzen, auf die Inanspruchnahme von Fördermitteln für die Sanierung der privaten Gebäude hinzuweisen.

 

Die Präsentation ist dem Protokoll als Anlage beigefügt.

 


 

Die Ausführungen zur Erstellung eines Rahmenplanes für den Bereich des Hafens werden zur Kenntnis genommen.

 

Es wird beschlossen, die Ergebnisse im Rahmen einer Bürgerbeteiligung der Öffentlichkeit vorzustellen.