Tagesordnungspunkt

TOP Ö 3: Stadtwald Holthusen: Problematiken und Zukunftsperspektiven

BezeichnungInhalt
Sitzung:17.09.2019   BAUMA/004/2019 
Beschluss:einstimmig beschlossen
Abstimmung: Ja: 8, Nein: 0, Enthaltungen: 0
Vorlage:  BV/2019/2648 
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Herr Erich Delfs vom Forstamt Weser-Ems referiert zu den Problematiken und Zukunftsperspektiven im Bereich des Stadtwaldes Holthusen:

Der vor 37 Jahren angepflanzte Wald erstreckt sich südlich entlang der Meentelande über eine Fläche von 22 ha. Im Osten wachsen Pappeln, im mittleren Bereich Nadelhölzer und im Westen Laubbäume wie Eichen, Eschen und Douglasien. Im Norden grenzt eine Kompensationsfläche an, die vor einigen Jahren wiedervernässt wurde. Zur Erhaltung der Feuchtwiesen werden die hier verlaufenden Gräben angestaut. Die daraus resultierende Erhöhung des Grundwasserpegels führt dazu, dass das Wasser aus dem Wald nicht abfließen kann. Die Gräben wurden aufgereinigt, um den Abfluss zu verbessern.

Da Eichen keine Staunässe vertragen, musste eine größere Anzahl in den vergangenen Jahren aufgrund von Wurzelschäden gefällt werden.

Unter den außergewöhnlich heißen und trockenen Sommern 2018 und 2019 litten die flachwurzelnden Fichten besonders. Deren Feuchtigkeitsgehalt ging während der langen Trockenheit von 45 % auf ca. 25 % zurück, so dass die Fichten nicht verharzen konnten, um Käfer abzuwehren. Infolgedessen entstanden statt einer bis zu drei Generationen von Käfern, die zu einem Befall von ca. 250.000 Käfern pro Baum führten und die Fichten massiv schwächten.

Viele Fichten drohen bei einem stärkeren Sturm umzukippen. Die Wegnahme einer größeren Anzahl von Fichten kann dazu führen, dass die übrigen den Halt verlieren. Tiefer wurzelnde Arten wie beispielsweise Douglasien sind wesentlich robuster, reagierten jedoch aufgrund der ungewöhnlich langen Trockenperiode mit stressbedingtem Laubabwurf. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sie sich wieder erholen werden.

Abgestorbene Eschen werden innerhalb kürzester Zeit von Schädlingen heimgesucht und müssen aus Verkehrssicherheitsgründen umgehend entfernt werden. Im Bereich der Eschen wurden Schneisen geschlagen als Rückewege. Die daneben stehenden Eschen erholten sich dadurch.

Die Pappeln sind schon aufgrund ihres Alters brüchig und weisen durch die lange Trockenheit vermehrt Totholz auf. Mittelfristig müssen sie aus Verkehrssicherheitsgründen komplett entfernt werden. In diesem Bereich verläuft der Fahrradweg. Herr Delfs weist darauf hin, dass bei geführten Wegen der Eigentümer - somit der Stadt - für die Verkehrssicherheit verantwortlich ist. Er empfiehlt aufgrund der irreparablen Schäden, die Pappeln zu entnehmen und an deren Stelle Laubhölzer (Erlen) anzupflanzen.

Falls die Fichten nicht gerettet werden können, sollten diese nach seiner Auffassung ebenfalls gegen Laubhölzer ausgetauscht werden.

Neben einer langfristigen Sicherung des Stadtwaldes bewirken diese Maßnahmen gegebenenfalls zusätzliche Aufwertungen (Ökopunkte), die eventuell auf Kompensationsmaßnahmen angerechnet werden können. Die Empfehlung zur umfangreichen Fällung liegt nicht in der Erwartung eines hohen Brennholzverkaufs begründet, da die Brennholzpreise aufgrund der bundesweit aufgetretenen Baumschäden aktuell stark gesunken sind.

 

Herr Dreesmann fragt, ob der Fahrradweg bei Sturm gesperrt werden muss. Da Stürme kurzfristig, auch nachts oder an Wochenenden aufkommen, ist dies nach Aussage von Herrn Delfs schwer umsetzbar. Er empfiehlt, die abgestorbenen Bäume entlang des Fahrradweges im Herbst / Winter 2019 zu fällen, um die Verkehrssicherheit sicherzustellen.

 

Frau Hinderks regt an, das Thema Stadtwald in die nächste Baumkommission aufzunehmen.

Herr Holtkamp erkundigt sich, ob eine Absenkung der Aufstauung hilfreich ist. Herr Delfs erklärt, dass im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde die Aufstauung um 1 Stufe abgesenkt wurde; dieser Pegel für die Kompensationsfläche jedoch benötigt wird.


Die Ausführungen werden zur Kenntnis genommen.